Neue Freiheit: Schwimmende Ferienhäuser mit Siding.X Fassade

Eine halbe Autostunde von der Grenze zu Dänemark entfernt, bauen die Architekten von dogs architektur im Schleswiger Stadtteil „Auf der Freiheit“ mit 11 schwimmenden Häusern sprichwörtlich „auf Wasser“. Mit den Neubauten, ummantelt von einer Fassade aus Lärchenholz und unregelmäßig gefaltetem Aluminium von PREFA, zeigt das in Nübel beheimatete Büro, wie Umnutzung im großen Stil gehen kann.

Die 11 Wasserhäuser mit ihrer gebauten Umgebung aus der Vogelperspektive.

Bauen mit dem, was ist

Architekt Gunnar Dogs und Team realisieren seit 40 Jahren alles „vom Wintergarten bis zum Wohngebiet, vom Einfamilienhaus bis zum Gewerbegebiet“ im nördlichen Schleswig-Holstein. Einfach mache man es sich nicht, so Dogs, denn man suche stets die Herausforderung – in „Individualprojekten“ und zurzeit auch immer mehr in der Umnutzung alter Gutshöfe und der Schaffung wertiger Feriendomizile. Ihre „Wasserhäuser“ am Schleswiger Pionierhafen reihen sich in diese Bautypologie ein. Die schicken kleinen Bauten entstanden im Zuge einer gezielten städtebaulichen Entwicklung und versprechen unbeschwertes Urlauben am Ostseefjord.

Ein Plan, der die Südost-, Südwest, Nordost- und Nordwestansicht der Bauten zeigt.

Nach dem Beton kommt ...

„Die Freiheit“, jener Stadtteil, in dem sich der historische Pionierhafen befindet und der über Jahrhunderte hinweg unterschiedlich genutzt worden war, diente zuletzt als Bundeswehrstandort bis 2004. Mit dem Abzug der Bundeswehr galt es sich zu überlegen, wie die brachliegenden Betonflächen am besten genutzt werden sollen. „Man hatte ein weitflächig versiegeltes Areal mit einem befestigten Hafenvorfeld samt Hafenbecken. Da die ins Land hineinreichende Wasserfläche bereits mit Spundwänden eingefasst und in Richtung Schlei begrenzt war, bot sich eine Umnutzung des Hafens an“, erläutert Gunnar Dogs. Eine Belebung des Stadtteils, so hieß es, wollte man hier mit der Schaffung eines ganzen Quartiers erreichen. dogs architektur beteiligt sich daran bis heute mit den „schwimmenden Häusern“ direkt an der Schlei und mehreren Wohnhäusern sowie einem Gewerbeobjekt in unmittelbarer Nähe, die gerade im Entstehen sind.

Ideen wie diese machen mehrfach Sinn: Die Einwohnerzahl Schleswigs ist in den letzten Jahren gestiegen und Touristen finden demnach immer weniger Nächtigungsmöglichkeiten in Zentrumsnähe. Nun können sie die Innenstadt oder auch die historische Fischersiedlung Holm in wenigen Gehminuten erkunden und von einem reichlichen Natur- und Wassersportangebot vor ihrer Haustür auswählen.

Die Wasserhäuser in Schleswig aus der Froschperspektive; sie sind optisch anhand ihrer Holz- und Aluminiumfassaden unterteilt.

Teils leicht, teils massiv

Mit einer unglaublichen Leichtigkeit ruhen die kleinen Architektur-Hingucker auf einem massiven Beton-Ponton im Hafen. Man kann sie ganzjährig bewohnen, aber ausschließlich als Ferienwohnung. Die Ausstattung ist angesichts ihrer Nutzung top. Angebunden an eine feste Ver- und Entsorgung und angeschlossen ans öffentliche Fernwärme- und Glasfasernetz, können zwei verschiedene Wohnungstypen gemietet werden: mit 3 Zimmern und Bad oder mit 2 Zimmern, Bad und Sauna.

Auf ihren in Aluminiumblechen gehüllten ersten Stock setzte Gunnar Dogs, zumindest optisch, einen weiteren Stock, der mit horizontalen Lärchenpaneelen strukturiert ist. Bauleiter Oliver Franke lässt durchblicken, dass ihre „Inspiration für die Siding.X Paneele daher rührte, dass sie bei einem neuen Wohnblock an einer Schleifstraße unweit der Baustelle des Pionierhafens eingesetzt wurden“. Mittels ein paar Mustern, sagt er weiter, konnten sie auch den Bauherren für die Knitteroptik und ihre Harmonie mit dem verwendeten Holz gewinnen.

Wenn das Wasser steigt

Mit der Designsprache von dogs architektur schreibt sich die Nähe zum Wasser auch im maritimen Flair der Häuser ein, zum Beispiel in der qualitätsvollen Inneneinrichtung oder den sympathischen Bullaugenfenstern. Bei aller Idylle stellt sich aber die Frage, was passiert, wenn das Wasser mal zu hoch ansteigt? „Die schwimmenden Häuser dürfen bei einer Sturmflut nicht bewohnt werden. Wir haben auf entsprechende Vorkehrungen geachtet und uns an die strengen Auflagen gehalten. Im Notfall können die Wasserhäuser mit geringer Beschädigung maximal 3 Meter höher schwimmen.“ Bei Gunnar Dogs und Oliver Franke klingt das ziemlich zuversichtlich. Aber einfacher wäre es allemal, wenn die Schlei unter der Kante des schwimmenden Pontons bliebe.

Schwimmende Häuser in Schleswig - Details

Land:

Deutschland

Objekt, Ort:

Ferienhäuser, Schleswig

Kategorie:

Neubau

Architektur:

dogs architektur

Verarbeiter:

Marten Dethlefsen

Material:

Siding.X

Farbe:

P.10 Anthrazit

Weitere Infos:

Text & Interview: Anneliese Heinisch
Fotos: Martin Croce
Plan: dogs architektur